Kulturbetrieb Arnstadt

Papier trifft Pappmaché

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Die Sammlung „Mon plaisir“ im Arnstädter Schlossmuseum bekommt ab 13. Juli Konkurrenz. In die unter dem Dach befindlichen Sonderausstellungsräume ziehen dann kunterbunte, vorzugsweise quietsch vergnügte Figuren ein.

Figuren und Malerei von Dorothea Siegert-Binder

Während das Ansinnen der Fürstin Auguste Dorothea von Schwarzburg Arnstadt darin bestand, mit ihrer Puppenstadt ein detailgetreues Abbild ihrer kleinen Residenzstadt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu schaffen, spiegeln die witzigen Pappmaché Figuren der Künstlerin Dorothea Siegert-Binder das 21. Jahrhundert wieder. Ihr künstlerischer Anspruch besteht allerdings nicht darin, ein Abbild ihrer Stadt zu präsentieren. Ihre Figuren aus Pappmaché machen auf soziale Verhaltensweisen unserer Zeit aufmerksam, die witzig, zum Teil auch kritisch in Szene gesetzt werden.

Die Leidenschaft der im thüringischen Arnstadt aufgewachsenen und heute in Staufen im Breisgau lebenden Künstlerin ist das Papier. Als ausgebildete Spielzeugdesignerin war es schon immer ihr Traum, künstlerisch selbstständig zu arbeiten. Diesen Traum erfüllte sie sich 1989 mit einem Wohnortwechsel von Berlin nach Baden-Württemberg, wo die ersten Puppen aus Pappmaché für das Puppentheater „Raschmunzel“ entstanden. Aus den Theaterpuppen entwickelten sich später die charakteristischen vorzugsweise femininen Figuren, die keine Kleidermode Prêt-à-porter tragen. Die lebensfrohen Pappdamen, Herren und Kinder sind in maßgeschneiderte Modelle aus hochwertigen Künstlerpapieren gehüllt. Das individuelle farbenfrohe Outfit und die temperamentvollen aus dem Leben gegriffenen Charaktere verleihen den aus Künstlerhand geschaffenen Figuren die ihnen eigene Persönlichkeit. Liebevolle Details tragen ergänzend zum besonderen Charme der Unikate bei. Selbst Figuren mit auffälliger Körperfülle sind zu akrobatischen Höchstleistungen fähig. Die Themen für die fröhlichen Begleiter der Wahlstaufenerin sind aus dem Leben gegriffen und bedienen gern das eine oder andere Geschlechterklischee.

Ein Ausgleich zum Bossieren ist für Dorothea Siegert-Binder die Malerei. Ihre intuitiven Bildmotive und die künstlerische Ausdrucksweise ihrer Malerei spiegeln die Fantasien und die Farbigkeit, mit der ihre Figuren entstehen, wider.

Die Sonderaustellung ist vom 13. Juli bis 6. Oktober im Schlossmuseum Arnstadt zu besichtigen. Anmeldungen für Interessenten der im Rahmen der Ausstellung stattfindenden Workshops nimmt der Museumsshop entgegen. Alle Informationen zu den Workshops.

Text: Martina Guß