Kulturbetrieb Arnstadt

Wolfgang & Brigida Böttcher - Immaginazione

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Vom 13.April 2013 an zeigt das Schlossmuseum Arnstadt in einer neuen Sonderausstellung Arbeiten des Künstlerpaares Brigida (*1952) und Wolfgang Böttcher (*1948). Unter dem Titel „IMMAGINAZIONE“ sind Kupferstiche und Eisenradierungen von Wolfgang Böttcher und Arcrylmalereien auf Papier, dazu farbig gestaltete keramische Gefäße und ebenfalls farbige Tonplastiken zu sehen.

Die beiden Künstler sind Absolventen der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Wolfgang Böttcher studierte bei den Professoren Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer und Brigida Böttcher war Meisterschülerin von Professor Bernhard Heisig.

Gemeinsam mit befreundeten Künstlern gründeten sie 1990 den Leipziger Kunstverein PIKANTA e.V., der zu einem Zentrum ihrer Arbeit wurde mit Kursen im Zeichnen und der Arbeit mit keramischen Materialien für Kinder wie für Erwachsene, mit regelmäßigen thematischen Ausstellungen und seit 1990 jährlichen Kunst- und Studienfahrten nach Italien.
Im letzten Jahr der DDR gelang es ihnen, die Genehmigung zu einer Reise in den Süden zu erhalten. So erlebten sie ein erstes Mal Italien und entbrannten sofort in Liebe zur Landschaft, zu Kultur und Geschichte, vor allem aber zu den Menschen. Das prägt ihre Bildwelten.

Brigida Böttcher ist vor allem Malerin. Seit über zwei Jahrzehnten bevorzugt sie Acrylfarben und als Malgründe Papiere und Karton. Ihre Themen entstammen großenteils der antiken Mythologie und Geschichte, was nicht heißt, sie schaffe Historienbilder. Vielmehr befragt sie die alten Mythen, wie sich die Geschichten im Heute erzählen lassen. Als Malerin kam sie auch zur Keramik. Sie bemalt Gefäße, deren Formen nach eigenen Vorstellungen in einer Töpferei entstehen, auch baut sie diese per Hand auf. Daraus erwuchs ihre Neigung zur keramischen Plastik.

Wolfgang Böttcher entdeckte vor fünfzig Jahren Werkzeuge eines Kupferstechers und begann mit diesen zu experimentieren. So erschloss er sich autodidaktisch die Geheimnisse dieser seltenen Kunst . Der unorthodoxe Zugang zu einer handwerklich geprägten Kunst spiegelt sich in der Entstehung seiner Kupferstiche wider. Sie entstehen nicht nach exakten Zeichnungsvorlagen, werden vielmehr auf der Druckplatte unmittelbar entwickelt und binden spontane Einfälle direkt in die Gestaltung ein. Seit zwei Jahrzehnten nutzt er zudem ein anderes, altes druckgrafisches Verfahren, die Eisenradierung. Sie stammt ursprünglich aus den Werkstätten der Harnischmacher und wurde gegen 1500 von Malern wie Martin Schongauer und Albrecht Dürer für bildnerisches Schaffen entdeckt. Mit Eisenplatten begann die Geschichte der Radierkunst. Wolfgang Böttcher hat sie im Heute neu belebt.

Auch seine Themenwelt wurzelt in antiken Stoffen, die er als Gleichnisse versteht und sie mit aktuellen Erfahrungen kombiniert. Solcherart schöpfen beide Künstler aus einem
unerschöpflichen Vorrat an Stoffen und Bildern. Er prägt ihre Vorstellungswelt, aus ihm erwachsen ihre „Immaginazionen“.

Text: Rainer Behrends